Dr. M. Bösch & Dr. M. Thalmann
Schützehüsliweg 5
CH - 8222 Beringen
Tel 052 685 19 25 / Fax 052 685 36 10
   
wer sind wir ?
wo sind wir ?
wann sind wir da ?
wie sind wir erreichbar?
weitere Informationen

überarbeitet am 10.1.2008

Der frühere Beringer Dorfarzt Dr. Christian Seelhofer berichtet von seiner Arbeit und aus seinem Alltag in Zimbabwe

Silvester in Zimbabwe

Ja, dieser Jahreswechsel war nicht gerade sehr ermunternd.

Am Silvestermorgen brach ein heftiges Gewitter über unsere Region. Ein Blitz schlug in eine Hütte in der Nähe unseres Hauses ein und löschte das Leben von vier Einwohnern aus.

Wir standen unterdessen im Operationssaal, wo wir versuchten, einige Brüche gerade zu biegen und zu schienen. Die Blitze gaben uns durch die grossen Fenster das Licht. Der Strom war natürlich auch schon seit einigen Tagen ausgefallen. Eine dringende Bauchoperation konnten wir nicht durchführen, da in der ganzen Provinz (entspricht bei uns einem Kanton) keine Blutkonserven aufzutreiben waren. Da auch kein Strom, und kein Sauerstoff vorhanden war, verstand ich die Narkoseschwester, die unter diesen Umständen eine Operation ablehnte. So liessen wir halt die junge Patientin im Bett sterben. Das wird von Angehörigen und Behörden besser verstanden als ein eventueller Tod auf dem Operationstisch, wo wir uns sonst eventuell Vorwürfen stellen müssen. Wenigstens konnten wir der Frau das Sterben mit Morphium etwas erleichtern.

Am Nachmittag dann eine Sitzung mit den Spitalangestellten. Sie bitten dringend um Unterstützung für Nahrungsmittel. Da sie keinen Lohn mehr beziehen können, ernähren sie sich im Moment einzig noch mit etwas Gemüse aus dem eigenen Garten und den sporadischen Nahrungsmittelgaben, die ich ihnen beschaffen kann. Ich mit meinen Spenden und auch meine mich unterstützende Organisation Solidarmed haben aber nicht die finanziellen Möglichkeiten, die 130 Angestellten des Spitales voll zu ernähren, dies vor allem auch wegen den stark angestiegenen Nahrungsmittelpreisen. Verzweifelt diskutierten wir über Auswege, wir konnten aber keine befriedigende Lösung finden. Etwas enttäuscht gingen wir dann alle nach Hause.

Nach diesen deprimierenden Vorkommnissen, konnte nicht einmal der durch meine Hausangestellte liebevoll angerichtete Salat, das frisch am offenen Feuer gebackene Brot und ein tüchtiges Stück Schweizer Käse eine wesentlich Besserung der Stimmung bringen. Nach einem Kaffee versuchte ich in romantischem Kerzenlicht zu lesen. Aber auch das Buch von Endo Anaconda konnte mich nicht aufheitern und so ging ich halt früh ins Bett und träumte von einem besseren 2009.

© Dr. Chr. Seelhofer, Jan. 2009