Dr. M. Bösch & Dr. M. Thalmann
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überarbeitet am 27.1.2005

Der frühere Beringer Dorfarzt Dr. Christian Seelhofer berichtet von seiner Arbeit und aus seinem Alltag in Zimbabwe

Ein Tag in Masvingo

Ha schön, heute bin ich wieder auf dem Weg nach Masvingo, der nächstgrösseren Stadt. So alle zwei bis drei Wochen geniesse ich diese Abwechslung. Die Arbeit am Spital in der letzten Zeit war wieder hart. Mit meinem Pickup-Auto komme ich nach drei Kilometern löcheriger Naturstrasse auf die gute Teerstrasse und brause nun mit 120 km/h der Stadt zu. Es ist erst acht Uhr morgens und doch läuft mir der Schweiss schon über das Gesicht. Da steht eine Familie am Strassenrand und gibt Zeichen, dass sie gern mitgenommen werden möchte. Ich halte an. Ich habe noch Platz. Dankbar steigen sie ein. Sie wollen auch nach Masvingo. Nun habe ich kein schlechtes Gewissen mehr, wenn ich an den folgenden Hunderten von Zeichen gebenden Leuten am Strassenrand vorbeirase. Nun kommt aber schon die erste Polizeikontrolle. Die Polizisten kennen mich jedoch. Mit einem «hello doc» winken sie mich weiter und wollen weder meine Ausweise noch mein Gepäck kontrollieren.
Die Stadt kommt näher. Meine Einkaufsliste geht mir durch den Kopf. Wo soll ich anfangen? Also zuerst brauche ich Geld. Die Bank hat zwar einen Bankomaten, dieser funktioniert jedoch nur in den seltensten Fällen. So muss ich wahrscheinlich das Geld am Schalter holen. Ich bin schon etwas spät dran und es ist noch nicht lange Zahltag gewesen. Ich muss also rechnen, dass ich etwa eine Stunde anstehen muss. Dann was weiter? Ich muss Benzin tanken. Dazu fahre ich ins Industriequartier und hoffe, es ist gerade niemand vor mir, der zwei Fass mit Benzin füllt. Zurück in der Stadt fahre ich ins Priesterhaus. Ich will dort meine Emails senden und herunterladen, damit ich wieder etwas orientiert bin, was in meinem Familien-, Verwandten- und Bekanntenkreis so passiert. Gleichzeitig kann ich dort dann auch noch telefonieren oder ein SMS schicken. Mein Handy aus der Schweiz funktioniert in der Stadt. Mein Telefon zuhause eben halt meistens nicht. Nun fahre ich wieder aus der Stadt ins Bischofshaus - eher ein kleiner Palast -, wo ich mit dem Gesundheitskoordinator für Missionspitäler noch einige Unklarheiten diskutieren muss. Dann gehts wieder zurück in die Stadt. Der Kantonsarzt will wissen, wie die Situation aussieht in unserem mit Malaria stark verseuchten Gebiet. Gerade habe ich noch Zeit, auf der Post die Telefonrechnung zu zahlen.
Unterdessen ist Mittag geworden. Es gibt ein kleines Restaurant in der Stadt mit einem kleinen, sehr schönen Garten. Das ist nun mein Ziel. Meistens nehme ich dort das Mittagessen ein und dort trifft man auch immer wieder mal die gleichen Bekannten, sei es ein Augenarzt aus Deutschland, ein Missionsarzt aus den USA, ein Entwicklungshelfer aus Äthiopien, ein Farmer aus der Umgebung. Heute ist kein bekanntes Gesicht dort. So geniesse ich das Mittagessen unter einem grossen Avocadobaum, wo die Früchte einem fast ins Essen baumeln.
Der Nachmittag ist der Nahrungsmittelsuche gewidmet. Man bekommt fast alles, aber man muss es zusammensuchen. Früchte und Kartoffein auf dem Markt, Seife im «Supermarkt», die meisten Lebensmittel im Spar (den gibt es sogar in Zimbabwe). Heute finde ich jedoch in der ganzen Stadt keinen Essig. Dafür aber finde ich Teigwaren, die beim letzten Mal überall ausverkauft waren. Das Fleisch sieht nicht so gut aus. Ich werde später einmal auf einer mir bekannten Farm wieder einen grösseren Einkauf machen. Reis gibt es auch wieder. Ich entscheide mich, auch Zucker zu kaufen, obwohl der Preis verglichen mit dem vor zwei Wochen um das Doppelte gestiegen ist. Auch etwas Wein findet noch Platz. Damit gibt es wieder einmal einen gemütlichen Abend mit der Nachbarsfamilie.

Die Besorgungen sind gemacht. Ich fahre zurück nach Musiso. Diesmal nehme ich es aber gemütlicher. Ich fahre in einen Abend mit einem wundervollen, fast kitschigen Abendrot, das durch Silhouetten von Akazienbäumen und Kakteen leuchtet. Ich komme mir vor wie in einem Film.

© Dr. Chr. Seelhofer, Jan. 2005