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überarbeitet am 10.5.2008

Der frühere Beringer Dorfarzt Dr. Christian Seelhofer berichtet von seiner Arbeit und aus seinem Alltag in Zimbabwe

Ist Zimbabwe schon am Wendepunkt?

In den letzten Wochen hat sich die Situation in Zimbabwe nicht wesentlich verändert. Politisch ist ja nun die starke Oppositionspartei auch in der Regierung, hat aber anscheinend noch nichts zu sagen. Der starke Mann, Comrade Robert Mugabe, bestimmt immer noch alles, und die anfängliche Hochstimmung der Einwohner hat schon einer rechten Ernüchterung Platz gemacht. Niemand weiss im Moment, ob wir die Verbesserungen zu schnell erwarten oder ob der ganze Wechsel in der Regierung einfach eine Farce ist./p>

Die Läden sind zwar wieder recht gut gefüllt. Jedoch kann nur jemand etwas kaufen, der ausländisches Geld besitzt. Im Süden des Landes wird vorwiegend der südafrikanische Rand gebraucht, im übrigen Land ist der US-Dollar das gängige Kaufmittel. Der Zimbabwe Dollar ist in der Senke verschwunden. Auch das erneute Streichen von zwölf Nullen konnte ihn nicht retten. Niemand wusste mehr, welchen Wert die vielen Trillionen Zim-Dollars noch hatten. Die Waren sind aber recht teuer geworden und durchschnittlich zahlt man jetzt eher mehr für einen Einkauf als in der Schweiz.

Die Staatsangestellten erhalten immer noch kaum einen Lohn. Da Lebensmittel nur mit US-Dollar oder Rands gekauft werden können, wird versucht, mit allen Mitteln an diese Währungen zu kommen. Auf der Strasse stehen immer häufiger Polizisten, die uns wegen Kleinigkeiten anhalten, uns deswegen verzeigen wollen, uns dann aber laufen lassen, nachdem man ihnen ein kleines Trinkgeld abgeliefert hat. Etwas, das in Zimbabwe in den letzten Jahren kaum vorgekommen ist.

Obwohl die internationalen Hilfsorganisationen jetzt wieder recht viel Nahrungsmittel ins Land bringen, haben immer noch viele Leute nicht genug zu essen. Wir hatten aber bisher eine gute Regenzeit und das Mais als Hauptnahrungsmittel steht recht gut und verspricht eine gute Ernte. Alle hoffen, dass dann ab April der Hunger wieder für einige Monate der Vergangenheit angehört.

Ich bin im Moment wieder für einige Tage in Harare. Die Benzinsituation hat sich verbessert. Man kann an einigen Tankstellen wieder Benzin bekommen, aber auch nur gegen US-Dollars. Der Verkehr hat zugenommen und man sieht in der Stadt in einer Viertelstunde mehr ausgesprochen teure Mercedes und Off-roaders als in der gleichen Zeit in Zürich. Es scheint also einigen Leuten noch sehr gut zu gehen. Ich gehe aber wieder gerne zurück nach Silveira. Das Wasserproblem in dieser grossen Stadt ist immer noch gleich. Kein Wasser für die Dusche oder Wäsche. Ein wenig Wasser, das man über Nacht in der Badewanne sammelt, damit man dann über Tag das WC spülen kann und etwas zum Reinigen hat. Das Trinkwasser nehmen wir schon längere Zeit jeweils in einem Kanister von Silveira mit.

© Dr. Chr. Seelhofer, März 2009