Dr. M. Bösch & Dr. M. Thalmann
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überarbeitet am 12.1.2006

Der frühere Beringer Dorfarzt Dr. Christian Seelhofer berichtet von seiner Arbeit und aus seinem Alltag in Zimbabwe

Stromabhängigkeit

Morgens sechs Uhr. Ich erwache. Draussen ist herrlicher Sonnenschein. Ich will mir einen guten Kaffee zum Frühstück machen. Der Kochherd bleibt aber stumm. Wie in letzter Zeit so oft, es hat halt wieder keinen Strom. Irgendwo wird ein Baum über eine Leitung gefallen sein oder das EW macht wieder «powersharing», das heisst, sie schalten einfach irgendeinen Bezirk aus dem Stromnetz aus, weil sie selber nicht genügend Strom haben und kein Geld, um Strom aus den umliegenden Ländern zu importieren. So wird nichts aus dem Kaffee und es wird einfach Wasser getrunken und zerlaufene Butter aus dem 25 Grad warmen «Kühlschrank» auf das schwammige Brot gestrichen.

Um halb acht bin ich dann im Spital. Hier warten schon acht Patienten für den bestellten Ultraschall. Auch auch daraus wird nichts. Die näher wohnenden Patienten werden nach Hause geschickt und auf den nächsten Tag vertröstet - falls es Strom hat. Die weiter entfernt wohnenden können im Spital bis am folgenden Tag Unterschlupf finden. Nach einigen schriftlichen Arbeiten kann ich deshalb heute etwas früher in den Operationssaal. Was haben wir dort heute für ein Programm? Neben einigen Abszesseröffnungen ist ein Kaiserschnitt und eine Leistenhernienoperation vorgesehen. Wir entschliessen uns, diese Operationen auch ohne Strom durchzuführen. Das Tageslicht ist immerhin besser als nachts mit der Taschenlampe. Hoffentlich blutet es nicht stark, sodass wir nicht angewiesen sind auf das elektrische Absaugen von Sekret und Blut. Tücher sollten genügen. Eigentlich haben wir ja einen neuen Generator, mit Sponsorgeldern aus der Schweiz gekauft, der bestens läuft. Aber eben, der Generator läuft mit Diesel. Dieses ist im Moment nur auf dem Schwarzmarkt erhältlich zu einem unerschwinglichen Preis (umgerechnet 3 bis 4 Schweizer Franken der Liter). Die Operationen sind gut gelaufen, so gehe ich ins Ambulatorium, um diese Patienten zu sehen. Infolge Stromausfall können natürlich heute keine Röntgenbilder gemacht werden und auch keine Laborresultate sind erhältlich.

Um ein Uhr mache ich Mittagspause und freue mich auf das Mittagessen. Zum Glück ist meine Haushaltshilfe diese Schwierigkeiten gewohnt und hat draussen auf offenem Feuer einen feinen Reis und Gemüse gekocht. Die Nachmittagsrunde auf den Abteilungen verläuft ohne Probleme. Allerdings hat ein Patient, dem schon einige Liter Eiter aus der Lunge abgesaugt wurde, einige Atemnot, da die elektrische Saugpumpe nicht arbeitet. Gegen Abend werden dann verteilt in den Gängen die ersten Kerzen angezündet. Um sieben Uhr ist es ja hier auch im Sommer stockdunkel. Fast sieht es ein wenig weihnachtlich aus. Weniger schön ist, dass die Krankenschwestern die Körperpflege der Patienten und einige medizinische Arbeiten unter schlechten Lichtverhältnissen durchführen müssen. So gehe ich dann nach Hause und hoffe, dass ich nachts nicht unter diesen Bedingungen im Spital arbeiten muss.

Zuhause mache ich mit Kerzenlicht das Nachtessen. Für Birchermüesli braucht es ja keinen Strom. Allerdings vermisse ich dabei die Musik, da ich für meinen CD-Player grad keine Batterien habe. Das anschliessende Lesen ermüdet stark unter diesem schlechten Licht. So stehe ich unter die Dusche, obwohl der Boiler ja auch nicht funktioniert. Aber das kalte Wasser ist hier nicht so kalt. Ich mache früh Feierabend. Der morgige Tag wird sicher besser - meistens!

© Dr. Chr. Seelhofer, Okt. 2005