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überarbeitet am 10.1.2008

Der frühere Beringer Dorfarzt Dr. Christian Seelhofer berichtet von seiner Arbeit und aus seinem Alltag in Zimbabwe

Schul- und Gesundheitswesen in Zimbabwe

Für einige Schweizer Kinder wäre dies wahrscheinlich eine gute Nachricht. Die Lehrer in Zimbabwe sind seit Juni des letzten Jahres im Streik. Die Lehrer verdienen nicht mehr genug um sich selber und noch weniger ihre Familie ernähren zu können. Die meisten öffentlichen Schulen sind geschlossen. Es gehen zwar noch einige Schüler zur Schule, wo sie versuchen, für sich selber zu lesen und einiges zu lernen. Noch funktionsfähig sind die Privatschulen und einige Missionsschulen. Diese müssen aber so hohe Schulgelder verlangen, dass nur die reicheren Familien sich dies leisten können. Die Anzahl der jungen Menschen in Zimbabwe, die weder Lesen noch Schreiben können, wird immer grösser. Natürlich bleibt die Frage, ob Lesen und Schreiben das Wichtigste ist im Leben. Aber was bleibt diesen Kindern noch anderes übrig als einfach herumzulungern, nichts zu tun und später von den besser Ausgebildeten ausgenützt zu werden?

Werden dieses Jahr die Schulen wieder geöffnet? Niemand kann das genau sagen. Aber es wird nicht einfach sein. Viele Lehrer sind aus dem öffentlichen Dienst ausgetreten und arbeiten nun in Südafrika oder im Privatsektor. In den meisten Schulen sind über die Hälfte der Lehrer weg. Ich war letzthin in einer Schule, wo ein Lehrer einfach noch versucht, seine restlichen Schüler zu beaufsichtigen und etwas Basiswissen beizubringen. Nicht einfach für diesen noch einzigen Lehrer an dieser Schule, seine Klasse hat jetzt etwa 140 Schüler. Früher wurden dort ungefähr 600 Schüler unterrichtet.

Eine ähnliche Situation auch im Gesundheitswesen. Im Universitätsspital ist nur noch die Privatabteilung geöffnet. Praktisch alle öffentlichen Spitäler haben ihre Dienste eingestellt. Ärzte und Krankenschwestern sind ebenfalls seit einigen Monaten im Streik. In den grossen Städten funktionieren vor allem noch die Privatspitäler, dies jedoch nur für die reichen Einwohner. In den ländlichen Gegenden gibt es noch die Missionsspitäler. Diese sind auch nur noch funktionsfähig mit den Geldern aus dem Ausland. Vom Staat erhalten sie keine Mittel mehr. Silveira ist ein solches Spital. Dank der Hilfe aus der Schweiz können wir immer noch einen guten Service anbieten, obwohl auch wir vor allem im Bereich der Nahrungsmittel für die Angestellten viele Probleme haben.

Dies ist eine recht schwierige Situation für unsere Patienten. Ihre Wege ins nächste funktionierende Spital sind wesentlich länger geworden. Dies in einer Zeit, wo das Geld nichts mehr wert ist und die Transporte fast unbezahlbar geworden sind. Nicht alle sind noch fähig, den mehrstündigen Weg unter die Füsse zu nehmen. Ich behandelte gestern eine Patientin, die drei Tage mit ihrem kranken Kleinkind ins Spital unterwegs war und dabei etwa 80 Kilometer zu Fuss zurücklegen musste.

Vielleicht fragen sich nun einige Leute, ist das noch sinnvolle Hilfe, warum machen wir da überhaupt noch mit? Lassen wir doch das Volk allein mit ihrer korrupten, nur noch ihrer Macht verpflichteten Regierung. Ist das noch Entwicklungshilfe? Manchmal frage ich mich das selber auch. Ja, vielleicht ist das keine Entwicklungshilfe. Jedoch weiss ich auch, dass ich das Richtige tue, wenn ich von einem überlebenden Patienten, einer Mutter, einem genesenem Kind, einem wieder arbeitsfähigen Mann, alles Menschen, die sonst kaum ein Chance hätten, als Dank ein Strahlen und ein glückliches Lächeln bekomme.

© Dr. Chr. Seelhofer, Jan. 2009