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überarbeitet am 10.9.2005

Der frühere Beringer Dorfarzt Dr. Christian Seelhofer berichtet von seiner Arbeit und aus seinem Alltag in Zimbabwe

Wohnen in Jerera

Wohnen hier in Zimbabwe ist viel umfassender als bei uns. Maijenica, unsere Haushaltshilfe wohnt in Jerera. Immer wieder bekommt sie Besuch, den sie in ihrer Wohnung aufnimmt. Ihr Haus ist klein, besteht aus drei Zimmern, von denen keines grösser ist als 8 Quadratmeter, und einer kleinen Küche. Es ist erstaunlich, was jedoch alles darin Platz hat. Normalerweise wohnt sie dort allein mit ihren vier verwaisten Pflegekindern. Ihre zwei eigenen Kinder sind schon gross und längstens ausgezogen. Ich glaube jedoch, sie hat es noch nie geschafft, alleine in ihrem Haus zu wohnen. Im Moment ist eine ihrer Freundinnen dort, die aus einer Wohnung geschmissen wurde und bei ihr ein Zimmer gemietet hat. Auf jeden Fall scheint es ihr zu gefallen, sie ist schon mindestens drei Monate dort. Das Wohnzimmer dient jetzt halt tagsüber als Aufenthaltsraum, nachts als Schlafzimmer für zwei Kinder. Zwei schlafen im Schlafraum von Maijenica. Dort hat es zumindest ein Bett. Die Kinder schlafen sonst auf einer Wolldecke auf dem harten Zementboden, eine Art von Schlafen, die hier üblich ist. Ich sehe das immer in der Nacht im Spital, wenn die Angehörigen einfach auf einer Wolldecke unter dem Bett des Patienten schlafen. Im Haus von Maijenica muss jedoch auch noch anderes Platz haben. Ihr Sohn will nun selber in Jerera ein kleines Haus bauen. So lagern im Schlafzimmer der Mutter zehn Etemitdachplatten, zwei Türrahmen und eine Stosskarette. Es hat sogar dort noch Platz für drei 50-kg-Säcke von Mais, die sie für eine Bekannte einlagert. Daneben findet man einen defekten Ventilator und einige Kartonschachteln in denen die Kleider untergebracht sind. Im Wohnzimmer sind mindestens 20 Zementsäcke, zwei Türen und zwei Fensterrahmen, die bei einer günstigen Gelegenheit gekauft wurden. Sie werden nun sagen, dass es wenigstens in der Küche noch etwas Platz hat, aber weit gefehlt. Dort hat es nämlich zwei Hühnerkäfige. Sie mästet und verkauft Hühner. Wenn diese grösser werden, stellt sie zwei Käfige aufeinander und kann so immerhin 50 Hühner in der Küche haben. Dass es auch hier noch Platz hat für einige Zementsäcke, wird Sie nicht mehr erstaunen. Warum hat sie denn dies alles nicht einfach in ihrem Garten? Das Problem ist, dass in Jerera viel gestohlen wird und wenn man will, dass etwas nicht fortkommt, nimmt man es ins Haus. Dann hat es wenigstens ums Haus Platz, wird man meinen. Aber auch hier sieht es nicht gut aus. Maijenica hatte eigentlich einen schönen Garten mit viel Gemüse. Aber jetzt baut ja der Sohn ein Haus. So werden die Backsteine selber hergestellt. Ganze Wagenladungen von Sand wurden im Garten abgeladen und an den Wochenenden wird jetzt Sand und Zement gemischt, in Formen gegossen und dann eine Woche in der Sonne getrocknet. Die ganze Umgebung ist von Backsteinen umgeben. Diese werden wenigstens nicht gestohlen.

Diese Art von Wohnung und Lagerraum ist keine Ausnahme bei Maijenica, sondern die Regel hier bei den meisten Familien. Nur die reichen Leute haben Möbel wie Bett, Kleiderkasten, Stühle und Tisch. Die Räume bestehen meist aus rohem Mauerwerk. Man sitzt auf Strohmatten am Boden, die man gut auch als Schlafunterlage brauchen kann. Ich habe Maijenica erklärt, dass es nicht gesund ist, Hühner in der Küche zu haben und all diese Sachen in der Wohnung zu lagern. Ich will ihr nun etwas helfen und habe sie unterstützt beim Anbau eines Zimmers und dem Bau eines kleinen Hühnerhauses im Garten. Sie hat es dankbar angenommen. Ich weiss aber nicht, ob ich sie überzeugen konnte, etwas anders zu wohnen. Sicher gibt es wieder eine Notlage und sie nimmt eine zweite Freundin in das neu gebaute Zimmer auf und sicher findet sie auch wieder etwas, das man in der Küche lagern kann.

© Dr. Chr. Seelhofer, 10. Sept. 2005