Dr. M. Bösch & Dr. M. Thalmann
Schützehüsliweg 5
CH - 8222 Beringen
Tel 052 685 19 25 / Fax 052 685 36 10
   
wer sind wir ?
wo sind wir ?
wann sind wir da ?
wie sind wir erreichbar?
weitere Informationen

überarbeitet am 23.1.2008

Der frühere Beringer Dorfarzt Dr. Christian Seelhofer berichtet von seiner Arbeit und aus seinem Alltag in Zimbabwe

Eine Beerdigung

Eine unserer Laborantinnen kam mit Bauchschmerzen in die Sprechstunde. Ich konnte einen Tumor im Bauch feststellen und schlug eine Operation vor. Diese wurde dann schon am folgenden Tag durchgeführt. Es war aber keine erfreuliche Sache. Es war ein Krebs des Dickdarms, der schon in alle Organe des Bauches Ableger gemacht hatte. Da gab es keine Rettung mehr. Ich legte nur einen künstlichen Darmausgang an und verschloss den Bauch wieder. Damit konnten wenigstens die Schmerzen etwas gelindert werden. Einen Monat später wurde sie dann ins Reich der Toten geholt. Da der gute Geist der Toten jedoch noch lange mit dem Leichnam verbunden ist, werden hier die Verstorbenen möglichst nahe dem Elternhaus begraben.

Angehörige und Freunde der Verstorbenen brachen zuerst in lautes Klagen aus. Dann aber wurde organisiert. Die Tote sollte in ihrer Heimaterde begraben werden. Die Angehörigen sandten einen Boten nach Hause, damit dort die Vorbereitungen gemacht werden konnten. Freunde begannen nun zu tanzen und singen und zogen im Spital umher und auch im Bekanntenkreis der Toten. Sie kamen auch tanzend ins Büro des Doktors. Dies war auch für mich eine Aufforderung, etwas Geld für die Beerdigung zu spenden. Nach zwei Tagen war dann alles bereit. Es konnte genügend Geld für einen Sarg gesammelt werden und die Beerdigung wurde auf den folgenden Tag festgelegt.
Nach einer kurzen Gedenkfeier in der Spitalkapelle wurde nun der Sarg auf einen Lastwagen geladen. Ich selber und etwa zwanzig Mitarbeiter des Spitals stiegen nun hinten auf den Lastwagen, wir platzierten uns neben dem Sarg und los ging es. Nach etwa zwei Stunden Fahrt auf einer staubigen Strasse, die oft mehr einem Bachbett als einer Strasse glich, kamen wir durchgeschüttelt im Elternhaus der Verstorbenen an. Schon etwa hundert Leute standen um die drei mit Gras gedeckten Lehmrundhäuser, und etwas daneben rauchten schon einige kleine Feuer, wo Wasser gekocht wurde. Es wurde geplaudert und die Tote im Sarg inzwischen in einer der Hütten wieder etwas zurechtgemacht.
Dann wurde eine lange Messe gelesen und die Tote gesegnet. Es wurde dabei auch sehr viel gesungen und getrommelt. Dann standen verschiedene Leute auf und redeten über Leben und Begebenheiten im Leben der Toten. Nun wechselte aber die Stimmung. Es wurde um den Sarg getanzt und gesungen. Die Trommeln wirbelten und alles war in Bewegung. Dann wurde der Sarg von sechs Kolleginnen aufgenommen und der Tanz ging weiter zum Grab, das etwa 50 Meter vom Haus auf einer schönen Anhöhe schon ausgehoben wurde. Unter wehmütigem Singen wurde die Sperrholzkiste in die Tiefe gelassen und dort mit dicken Holzpfählen vom Erdrücken gesichert. Nun wurde die rote, lehmige Erde nass gemacht und der Sarg luftdicht abgedichtet. Anschliessend wurde das Grab zugeschüttet und am Ende noch ein kleiner Baum darauf gepflanzt. Während der ganzen Zeit wurde fröhlich gesungen und getanzt.

Nun ging es wieder zurück zum Haus, wo unterdessen die Köchinnen den traditionellen Maisbrei und das dazugehörige Gemüse gekocht hatten. Man holte sich einen Teller und da es unterdessen recht heiss geworden war, suchte man sich irgendwo unter einem Baum am Boden ein Plätzchen und formte mit seinen Fingern mit dem Maisbrei schöne Bällchen und führte sie mit etwas Gemüse in den Mund. Fiel ein kleines Stück auf den Boden musste man sich nicht kümmern. Die Hühner waren überall und pickten flink die Resten auf. Manchmal kam eine Frau vorbei und tanzte fordernd vor einem, was wieder hiess, ob man nicht einen kleinen Obulus entrichten könne, damit die Trauerfamilie etwas an die Kosten des Essens bekämen. Die ganze Runde lachte immer wieder aus vollem Halse wenn wieder jemand in meine Richtung kam, da ich natürlich derjenige war, der am ehesten noch etwas an diese Kosten beisteuern konnte.
Nun war es langsam an der Zeit, an die Rückkehr zu denken. Wir kletterten wieder hinten auf den Lastwagen und holperten wieder nach Hause, diesmal ohne, dass man den Sarg vom Umkippen schützen musste.

© Dr. Chr. Seelhofer, Aug. 2008