Dr. M. Bösch & Dr. M. Thalmann
Schützehüsliweg 5
CH - 8222 Beringen
Tel 052 685 19 25 / Fax 052 685 36 10
   
wer sind wir ?
wo sind wir ?
wann sind wir da ?
wie sind wir erreichbar?
weitere Informationen

überarbeitet am 3.3.2008

Der frühere Beringer Dorfarzt Dr. Christian Seelhofer berichtet von seiner Arbeit und aus seinem Alltag in Zimbabwe

Gesundheitswesen in Zimbabwe

Die Spitäler in Zimbabwe erleiden schwere Zeiten. Viele staatliche Spitäler sind nicht mehr funktionsfähig. Sie haben keine Ärzte, keine Medikamente, kein funktionsfähiges Labor mehr. Die Krankenschwestern versuchen, wenigstens einen Grundpflegeservice zu erbringen. In den meisten Spitälern haben sie seit kurzem auch kein Geld mehr, um ihren Patienten eine Mahlzeit zu servieren. So müssen die Angehörigen für sie kochen. Wenn ich ein solches Spital besuchen muss, läuft man vorerst an vielen kleinen offenen Feuern draussen vorbei, darüber ein schwarzer Kochtopf, der auf drei Steinen thront und im Topf brutzelt der Maisbrei. Die meisten Spezialisten haben das Land verlassen, nur noch wenige in der Hauptstadt sind geblieben. Im ganzen Bezirk Masvingo (entspricht bei uns einem Kanton) mit zweieinhalb Millionen Einwohnern gibt es als einzige Spezialisten noch zwei Augenärzte in einer kleinen Augenklinik und auch diese werden von einer deutschen Organisation unterstützt.

Den meisten Missionsspitälem geht es noch etwas besser. Nicht weil sie von den Eigentümern, den verschiedenen Kirchen Geld bekommen, sondern weil viele von ihnen durch Organisationen im Ausland unterstützt werden. Zum Glück ist auch Silveira ein solches Spital und wird von Solidarmed aus der Schweiz grosszügig unterstützt.

Das Geld aus der Schweiz, das wir jetzt bekommen, ist nicht für prestigeträchtige Projekte bestimmt. Es geht im Moment einzig darum, in dieser stürmischen Zeit das Schiff Silveira Spital nicht untergehen zu lassen. Ohne unsere Hilfe aus der Schweiz wäre das Spital chancenlos und könnte nicht als eigentliches Spital überleben. Der Staat finanziert zwar die Löhne der Spitalangestellten, trägt aber sonst nichts zu deren Betrieb bei. Die direkten Einnahmen von den Patienten (ein Spitaltag kostet umgerechnet ungefähr 40 Rappen, eine Konsultation 30 Rappen!) genügen gerade, um ihnen zwei Mahlzeiten im Tag (nur Mais und Gemüse!) abzugeben, sonst langt es für nichts. Aber schon dieser Betrag ist für die häufig mittellosen Leute in dieser armen Gegend zu viel und sie können es häufig nicht bezahlen.

Unsere Spenden-Gelder werden auf verschiedenen Arten gebraucht. Einerseits wird damit natürlich mein Aufenthalt in Zimbabwe finanziert (Lohn CHF 1000 pro Monat plus Sozialleistungen!). Damit wird erst die medizinische Hilfe im Spital richtig möglich. Wir haben hier einen zweiten, jungen, einheimischen Arzt. Dem. wird eine Lohnaufbesserung bezahlt. Damit gibt man ihm die Motivation und Möglichkeit, im eigenen Land und zwar in einem massiv unterversorgten ländlichen Gebiet tätig zu sein. (Silveira Hospital, 200 Betten, zwei Ärzte, das einzige Spital' für ein Einzugsgebiet von mindestens 150000 bis 200000 Einwohnern). Wir müssen mit den Spendengeldern auch die Medikamente und das Verbandmaterial kaufen. Wir können im Moment sehr günstig vor allem aus Deutschland und Indien importieren. Wir müssen auch einige zusätzliche Angestellte finanzieren, die vom Staat nicht angestellt werden. Sie sind vor allem in der AIDS-Klinik und im Spitalunterhalt eingesetzt. Auch müssen Reparaturen ausgeführt werden. Letzthin fielen die Kompressoren der Kühlschränke in der Leichenhalle aus. Nur dank unserem Geld war es möglich, diese in kurzer Zeit zu reparieren und bald konnten unsere Nasen auch wieder andere Gerüche wahrnehmen.

Vielleicht sind nun einige Leute enttäuscht und meinen, sie hätten mit ihren Spenden etwas mehr Nachhaltigendes unterstützt. Aber ich finde auch diese Art von Hilfe sehr sinnvoll. Wir können damit die Punktion eines Spitals in einem nicht privilegierten Gebiet erhalten und damit vielen Leuten hier das Leben retten oder ihnen auch lebenslange Verkrüppelungen ersparen. Das ist doch auch schon etwas!

© Dr. Chr. Seelhofer, Feb. 2008