Dr. M. Bösch & Dr. M. Thalmann
Schützehüsliweg 5
CH - 8222 Beringen
Tel 052 685 19 25 / Fax 052 685 36 10
   
wer sind wir ?
wo sind wir ?
wann sind wir da ?
wie sind wir erreichbar?
weitere Informationen

überarbeitet am 30.4.2005

Der frühere Beringer Dorfarzt Dr. Christian Seelhofer berichtet von seiner Arbeit und aus seinem Alltag in Zimbabwe

Zähne und Ernährung

Sind Löcher in den Zähnen wirklich eine Zivilisationskrankheit? Noch nie habe ich so viele Leute gesehen wie hier mit enorm schlechten Zähnen. Selten sieht man Kinder, die noch ein intaktes schönes Gebiss haben. Oft kommen junge Leute mit fast nur noch Stummeln im Mund. Sie kommen wegen manchmal massivem Zahnweh. Häufig ist die erste Tätigkeit jeden Morgen im Operationssaal, einem oder zwei Patienten Zähne zu ziehen. Dies ist manchmal gar nicht so einfach, vor allem, wenn der angefaulte Zahn abbricht und man dann mühsam die Wurzeln herauswuchten muss. Häufig hat man auch grosse Mühe, junge Leute zu überzeugen, dass zwar das kleine Loch im Zahn Schmerzen verursacht, der Zahn selber aber noch gut sei und er solle ihn doch flicken gehen. Aber eben flicken ist ein Problem. Es gibt zwar in der Stadt einen oder zwei Zahnärzte. Diese sind aber so teuer, dass kein Patient aus unserer armen Region sich das leisten kann. Es gibt auch zwei viel billigere Zahnärzte am Stadtspital. Aber dorthin ist der Transport zu teuer. Wenn man dann vielleicht das Geld dafür von der ganzen Verwandtschaft zusammengebettelt hat, kommt man ins Spital und dort ist sicher gerade die Bohrmaschine kaputt und wird frühestens in einem Monat geflickt oder der Zahnarzt ist gerade an einer Beerdigung für eine Woche und die Fahrt war halt nun für nichts.

Die Ursache dieser miesen Zähne ist sicher einerseits zu suchen in einer sehr einseitigen, schlechten Ernährung. Die Leute hier haben keine Auswahl. Eine Studie im Mai dieses Jahres in unserem Distrikt, durchgeführt durch eine internationale Organisation, hat Folgendes ergeben: Mindestens einmal bis drei Mal pro Tag essen die Leute hier Sadza, den traditionellen Maisbrei, der nur aus weissem Mais und Wasser, ohne weitere Zutaten, angerichtet wird. Nur noch 60 % können es sich leisten, täglich ein Gemüse oder eine Tomatensauce dazu zu kochen, mehr als zweimal Fleisch pro Woche können sich noch 20 % leisten, tägliches Brot kaufen noch etwa 10% der Leute. Die Leute erhalten mit dieser Ernährung zwar in einem normalen Jahr genügend Kalorien, es fehlt aber das Eiweiss als sehr wichtigen Aufbaustoff des Körpers und auch die Vitamine. So kommt es zu Mangelerscheinungen, was sich in vermehrter Anfälligkeit auf verschiedenste Krankheiten und eben auch in schlechten Zähnen zeigt. Man versucht nun, die Ernährung zu verbessern mit Sojaprodukten. Diese will man jedoch nicht einfach von aussen zuführen, damit man nicht eine Abhängigkeit schafft. Man versucht nun den Kleinbauern und Kleinlandbesitzern Gartensets abzugeben mit etwas Gartengeräten und Sojabohnensaatgut: Auch muss etwas Dünger dazu abgegeben werden, da unser sandiger Boden zuwenig abgibt für eine gute Saat. Aber eben das klappt auch nur bei Wassernähe. Wie soll ein Garten gedeihen, wenn jeder Liter Wasser von 5 km hergetragen werden muss und das unbedingt täglich? So ist diese Hilfe auch nur für wenige möglich.

Ein weiterer Grund für die schlechten Zähne ist auch der weitverbreitete Brauch, jederzeit und überall Zuckerrohr zu kauen. Dieses billige Vergnügen können sich recht viele leisten und die ganz Unvermögenden bedienen sich halt dann oft nachts aus einem anderen Garten. Man sieht hier recht viel Zuckerrohr, meist angebaut für den privaten Gebrauch. Die riesigen Zuckerrohrfelder und die grossen Zuckerfabriken sind erst etwa 100 km südlicher. So sieht man vom Kleinkind bis zur Grossmutter (sofern sie noch Zähne hat) Zuckerrohr kauen oder lutschen, immer und überall. Immer fröhlich, lachen sie einen an mit einem fast zahnlosen Mund, sodass man unwillkürlich auf ihren Mund und nicht in ihr schönes Gesicht sehen muss.

© Dr. Chr. Seelhofer, 25. Juni 2005