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überarbeitet am 23.1.2008

Der frühere Beringer Dorfarzt Dr. Christian Seelhofer berichtet von seiner Arbeit und aus seinem Alltag in Zimbabwe

Cholera in Zimbabwe

Ja, Cholera ist ein ein Problem in Zimbabwe. Viele Zeitungen berichten davon. Wie schlimm ist es nun eigentlich? Was ist Cholera?
Es ist eine Erkrankung, welche durch ein Bakterium hervorgerufen wird. Die Leute bekommen massiv Durchfall und auch Erbrechen. Im typischen Fall ist der Durchfall gewaltig. Ohne weiteres können so zehn bis fünfzehn Liter Reiswasserstuhl pro Tag verloren gehen. Isoliert von den anderen Patienten haben wir im Spital Betten, wo im Bereiche des Gesässes ein grosses Loch in die Matratze geschnitten ist. Fast dauernd läuft nun der wässerige Stuhl dann einfach in einen Kübel darunter. Diese Flüssigkeit muss natürlich dann ersetzt werden und 10 Liter Infusionen pro Tag sind dann keine Seltenheit. Was das bedeutet in einem Land, wo kaum Medikamente und Infusionen zu haben sind, kann man sich vorstellen. Auch haben viele Patienten gar keine Möglichkeit, noch zur richtigen Zeit in ein Spital zu kommen. So sterben dann halt viele Leute einfach an Austrocknung. Weitergegeben wird die Krankheit durch mangelnde Hygiene. Verschmutztes Trinkwasser, angesteckte Lebensmittel und nicht gewaschene Hände sind übliche Quellen. Aus Angst vor Übertragung schüttelt man sich bei der Begrüssung nun nicht mehr die Hände, sondern es wird nur noch die Faust einander entgegengestreckt. Hier im Lande haben 80 Prozent der Bevölkerung kein fliessendes Wasser und müssen es manchmal näher oder von weit weg in einem Tümpel holen. An vielen Orten hat es auch nicht mehr genügend Brennholz, damit man das Wasser abkochen könnte. Silveira, mein Arbeitsplatz, liegt nicht in einem eigentlichen Choleragebiet. Jedoch bekommen wir öfters mal Patienten von ausserhalb. Wir sind eben noch in der Lage, die entsprechenden Medikamente und Infusionen anbieten zu können.
Wie schlimm ist nun eigentlich die Situation in Zimbabwe? Dies ist je nach Region ganz verschieden. Es gibt einige Städte und einige ländliche Gegenden mit schlechtem Trinkwasser und mit allgemein schlechten hygienischen Bedingungen, wo die Situation sicher schlimm ist. Die Todeszahl von ungefähr 1000 Toten in den letzten Monaten ist sicher stark untertrieben. Verschlimmert wird die Situation durch die Unfähigkeit der Regierung, geeignete Massnahmen durchzuführen. Eine Katastrophe von nationalem Ausmass ist es jedoch noch nicht. Natürlich ist es gut, dass man vorbeugende Massnahmen ergreift. Ich kann auch verstehen, dass die umliegenden Länder beunruhigt sind und nicht möchten, dass die Seuche auf ihr Land übergreift. Die Choleraproblematik in Zimbabwe wird aber nun auch verpolitisiert. Von aussen her wird sie nun als ein weiteres Druckmittel gegen ein unbeliebtes Regime missbraucht. Sicher sind die schlechten wirtschaftlichen Bedingungen mitverantwortlich für die Ausbreitung der Seuche.
Die Zimbabwe - Regierung schliesst die Augen und will die Katastrophe gar nicht wahrnehmen und spielt sie herunter. Da hat doch unser oberster Landeschef kürzlich gesagt: Die Cholera sei nicht im Lande entstanden, sondern werde von den verhassten Briten ins Land gebracht um uns Zimbabwer zu vernichten. Einige Tage später hiess es dann: Die Cholera ist gar kein Problem. Wir haben alles unter Kontrolle. Wer so etwas in Zimbabwe sagt, hat entweder keine Ahnung was vorgeht oder will bewusst irreführen. Es ist aber auch klar, die Führung muss keine Angst vor Cholera haben. Sie haben sich so gut vom Volk abgetrennt und haben die allerbesten Möglichkeiten der Hygiene, so dass kaum Ansteckungsgefahr besteht.

© Dr. Chr. Seelhofer, Dez. 2008