Dr. M. Bösch & Dr. M. Thalmann
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überarbeitet am 30.7.2005

Der frühere Beringer Dorfarzt Dr. Christian Seelhofer berichtet von seiner Arbeit und aus seinem Alltag in Zimbabwe

Kirche oder Staat?!

Seit einem Jahr stehen unsere Räume für unsere Krankenschwestemschule leer. Nicht weil wir keine Anmeldungen haben. Für unseren letzten Kurs von 40 Schülern hatten wir über 10000 Anmeldungen. Auch nicht weil wir keine Schwestern brauchen. Im Spital können nur ungefähr 60% der Pflegestellen besetzt werden, da gut ausgebildetes Personal immer noch ins Ausland abwandert. Alle hier sind überlastet und warten dringend auf Nachwuchs und Hilfe durch die Praktika der Schüler. Nein, das Problem ist ein Machtstreit zwischen dem Staat und unserem Bischof, der funktionell der Eigentümer unserer Schule ist.

Doppelregentschaft
Viele Spitäler und somit auch die Krankenschwesternschule wurden ursprünglich von Missionen erbaut und betrieben. Vor ungefähr 20 Jahren wollte der Staat alle Missionsspitäler übernehmen. Die Kirche hat sich jedoch dagegen gewehrt. Sie fürchtete einen Verlust von Macht und Einfluss auf die Menschen. Neben den Spitälern war eben damals auch die Übernahme der Missionsschulen im Gespräch. Die Kirche hatte jedoch nicht die finanziellen Mittel, die Spitäler selber zu betreiben. So wurde schlussendlich ein Kompromiss ausgehandelt, mit dem bis heute beide Seiten nicht so recht klarkommen. Die Kirche blieb Besitzerin der Missionsspitäler, der Staat übernahm das Personal und ist nun seither auch dessen Arbeitgeber und Lohnzahler. Für uns am Spital bringt diese Doppelregentschaft mehr Nachteile als Vorteile. Der Staat sieht die Missionsspitäler als Privatspitäler und wir haben deshalb etliche Vergünstigungen der Regierungsspitäler nicht. Das Bistum sieht sich als Besitzer des Spitals, hat aber kein Geld und kann deshalb keinen einzigen Dollar in Unterhalt und Betrieb des Spitals investieren. Das staatliche Gesundheitswesen schreibt gewisse Taxen vor. So kostet eine Konsultation am Spital immer noch umgerechnet ungefähr 10 Rappen, ein Lungenröntgenbild ungefähr einen Franken. Damit werden natürlich nicht einmal die Selbstkostenpreise gedeckt und man steckt permanent in einem finanziellen Loch.

Nun wurde vor kurzem ein neues Ausbildungskonzept für den Krankenschwesternberuf kreiert. Wir hatten uns anzupassen und wir wollten unsere Schule mit neuem Ziel und neuer Struktur eröffnen. Der Staat als Lohnzahler hat nun die neuen Schüler ausgewählt. Die Hälfte wurde aus den politisch geschulten Jugendcamps geschickt, die andere Hälfte konnte ein Team von Krankenschwestern und Schulinstruktoren aus unserer Masvingo-Provinz selber auswählen. Obwohl das Bistum keinen Dollar an die Schule bezahlt, will nun unser Bischofpraktisch als einziger im ganzen Land -bei der Auswahl unser Schülerinnen mitreden. Er sei ja verantwortlich für das Spital und damit auch für deren Schule. Der Staat vertritt jedoch den Standpunkt, da einzig sie die Schüler bezahle, hätten keine anderen das Mitspracherecht. So wird nun hin und her diskutiert und jeder beharrt stur auf seinem Standpunkt. Der Bischof hat uns verboten, die Schule zu eröffnen. Derweil leidet unser Spital und damit die Bevölkerung an der eingeschränkten Pflege infolge Mangels an Pflegepersonal und das nur, weil die Obrigkeit Politik macht und nicht Verantwortlichkeit gegenüber kranken Menschen betreibt. In den letzten Wochen hatten wir harte Gespräche mit Bischof und Gesundheitsdirektor und beide waren engstirnig und unnachgiebig. Aber auch wir wollen nicht nachgeben. Unsere Schule ist auf längere Zeit ein ganz wichtiger Faktor und ein Garant für die Fortdauer der Qualität unseres Spitals. Die Gespräche gehen nun weiter. Wir hoffen, dass wir eine Regelung erarbeiten können, die für beide Seiten akzeptabel ist und wir dann wenigstens für den nächsten Termin Januar 06 die Schule mit einem kleinen Freudenfest wieder eröffnen können. Manchmal macht es etwas Mühe, neben der vielen Arbeit am Krankenbett, im Ambulatorium und im Operationssaal auch noch im Management des Spitals mitzuwirken. Dies ist zwar sicher notwendig, gibt aber immer noch zusätzliche Belastungen, die oft den normalen Ablauf im Spital empfindlich stören können. Alle diese verschiedenen Aufgaben machen den Tag zwar lang, aber auch interessant.

© Dr. Chr. Seelhofer, 30. Juni 2005