Dr. M. Bösch & Dr. M. Thalmann
Schützehüsliweg 5
CH - 8222 Beringen
Tel 052 685 19 25 / Fax 052 685 36 10
   
wer sind wir ?
wo sind wir ?
wann sind wir da ?
wie sind wir erreichbar?
weitere Informationen

überarbeitet am 30.4.2005

Der frühere Beringer Dorfarzt Dr. Christian Seelhofer berichtet von seiner Arbeit und aus seinem Alltag in Zimbabwe

Wahlen

So, nun sind sie vorbei, die Wahlen in Zimbabwe für das Parlament. Viele haben daraufhin gehofft, viele haben Unruhen befürchtet, viele sind nicht wählen gegangen, weil sie die Wahlen sowieso als Farce ansahen. Nun sind sie also vorbei - und alles bleibt beim Alten. Die Opposition (movement for democratic chance) hat zwar einen Achtungserfolg errungen, aber der Sieg war halt wieder bei der Regierungspartei.

Ich selber habe auch nicht an einen Erfolg der Opposition geglaubt, aber doch insgeheim gehofft, dass sie es trotzdem schaffen. Die regierende Zanu-Partei hatte nun 25 Jahre die Gelegenheit, ihre Fähigkeit als Regierung zu demonstrieren. Was sie jedoch in den ersten 15 Jahren aufgebaut haben, haben sie systematisch die letzten 10 Jahre wieder zerstört. Die Arbeitslosigkeit ist auf 80 bis 90 Prozent gestiegen, Hunger ist nicht ein seltener Gast, die anfangs vielgerühmte Gleichheit der Mitbürger ist einem System der Unterdrückung gewichen, es besteht keine Hoffung für die Zukunft, weil die Regierung nur für sich und nicht für das Volk schaut. Wie sehr viele, vor allem auch junge Leute, sah ich die Zeit für gekommen, eine Wende herbeizuführen. Es hat nicht geklappt. Warum?

Es waren halt doch afrikanische Wahlen. Die Wahl selber am Wahltag war zwar diesmal fair. Aber sind Wahlen fair, wenn der Opposition ihre einzige Tageszeitung schon vor Jahren verboten wurde? Auf internationalen Druck wurde ihnen erst die letzten 4 Wochen vor der Wahl erlaubt, auch im Radio und Fernsehen ihren Standpunkt klar zu machen. Gegner wurden zwar nicht zusammengeschlagen wie während den letzten Wahlen, aber sie wurden systematisch unter Druck gesetzt. Oppositionsgegner hatten kein Recht für Ankauf von Mais. Ist es nun besser; für eine Idee einzustehen, oder besser, dass die Familie genügend zu essen hat? Wer offen für die Opposition einsteht, hat keine Chance, einmal einen von der Regierung bezahlten Posten zu bekommen (Lehrer, Armee, Polizei, Verwaltung etc). Dann wurde auch mit der Wahlberechtigung gespielt. Wahlberechtigt ist nur, wer sich vorgängig registriert hat. Registriert haben sich aber vor allem die alten Leute. Die Jungen waren häufig ortsabwesend oder hatten kein entsprechendes gültiges Papier vorzuweisen. Ungefähr eine Million Menschen haben die letzten paar Jahre auch das Land verlassen, natürlich vor allem auch Leute, die mit der jetzigen Regierung nicht zurecht kamen. Auch diese haben nicht gewählt. So erklärt sich, dass nur etwa 45 Prozent der wahlberechtigten Einwohner an der Wahl teilgenommen haben. So gesehen ist es erstaunlich, dass die Opposition trotzdem ungefähr die Hälfte der Sitze gewonnen hat. Von den 150 Sitzen im Parlament sind jedoch nur 120 wählbar. 30 Sitze werden vom Regierungschef direkt bestimmt. So hat die Regierung nun erneut ein gutes Polster im Parlament, das heisst, auch kein grosses Interesse, ihre Politik zu ändern. Die Misere wird so halt weitergehen. Viele Leute tun mir leid. Sie haben sich eingesetzt und Mut gezeigt. Kann man trotzdem so einfach sagen, jedes Volk hat die Regierung, die es verdient?

Was mich manchmal nachdenklich macht: Warum halten Leute an einem System fest, an dem viele zugrunde gehen? Natürlich gibt es in jeder Situation Menschen, die auch während einer Misere Profit machen. Auch hier schaut jeder für sich. Solange man mit dem jetzigen System besser fährt als mit dem folgenden, hält man daran fest, auch wenn der Nachbar daran zugrunde geht. Ältere Leute sind immer noch fest mit der Ideologie des Befreiungskrieges verbunden und halten der damaligen Partei die Treue. Entbehrungen waren sie sich immer gewohnt. Manchmal ist es besser, nicht zu viel zu studieren. Ich bin ja nicht hier, um Politik zu machen, sondern um Menschen zu unterstützen, die trotzdem gern leben wollen, obwohl sie von der eigenen Regierung vergessen und verraten werden.

© Dr. Chr. Seelhofer, April 2005