Dr. M. Bösch & Dr. M. Thalmann
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überarbeitet am 30.4.2005

Der frühere Beringer Dorfarzt Dr. Christian Seelhofer berichtet von seiner Arbeit und aus seinem Alltag in Zimbabwe

Brief aus Musiso

Vielleicht ist es wieder einmal an der Zeit, etwas aus meinem Spitalalltag zu berichten. Zwar gab es Zeiten, wo ich positiver darüber berichten konnte.

Die Behandlung der Kranken ist in den letzten Monaten immer schwieriger geworden. Es fehlt wieder an allen Ecken und Enden. Von den Medikamenten ist vieles nicht mehr erhältlich. Einzig für Malaria und Tuberkulose bestehen keine Engpässe, da hier internationaler Support stattfindet. Sonst arbeiten wir mit einem Mangelsortiment. Keine Medikamente für Erbrechen, keine für Magenentzündungen, Urininfektionen, keine Vitamine. Für Epilepsien haben wir noch Medikamente gefunden, die allerdings seit etwa 10 Jahren abgelaufen sind. Von den Antibiotika, Medikamente von lebenswichtiger Bedeutung in einem Land mit so vielen Infektionen ist nur noch ein Penicillinpräparat erhältlich. Auch ist erneut ein Engpas s für Verbandmaterial aufgetreten. Eine blutdurchtränkte elastische Binde muss halt beim nächsten und übernächsten Verbandswechsel erneut gebraucht werden. Das Problem ist der Nachschub. Die Regierung hat strenge Gesetze für die Einfuhr erlassen, sodass es für Privatpersonen zum Beispiel mich als Arzt kaum mehr möglich ist etwas einzuführen. Der Regierung selber fehlt aber das Geld, um Medikamente im Ausland zu kaufen. Niemand im Ausland akzeptiert den Zimbabwedollar als Zahlungsmittel. Die Inflation ist einfach zu gross. So hatte ich vor einem Jahr 300000 Zimbabwedollar Monatsverdienst. Jetzt verdiene ich 10 Millionen pro Monat. Das ist umgerechnet ungefähr gleich wie vor einem Jahr, nämlich etwa 600 Schweizer Pranken.

Die Personalsituation im Land wird immer schlimmer. Wieder ist im nächstgelegenen Spital seit längerer Zeit kein Arzt mehr vorhanden. Im Moment ist kaum Aussicht auf eine Neubesetzung. So sind wir zwei Schweizer Ärzte im Musiso-Spital wieder alleine verantwortlich für die Einwohner des Zaka-Bezirks mit einer Einwohnerzahl von 250000 bis 300000. Wir merken das auch, wir werden überschwemmt mit schwerstkranken Patienten. In Schub-bennen, Esels- und Ochsenkarren oder auf der Ladebrücke eines kleinen Lastwagens kommen sie ins Spital, manchmal schon tot oder sie sterben nach wenigen Tagen. Die meisten davon sind in einem Endstadium von Aids und oder Tuberkulose. Sie kommen alle einfach zu spät, als dass man noch etwas ändern könnte. Wir haben zwar jetzt mit unserer Aidsstation begonnen und sind sehr froh

Um diese Möglichkeit. Sie ist jedoch nur für Patienten, die noch in einem thera-pierbaren Stadium sind. Da sind wir dann wieder direkt froh um Patienten mit schweren Verletzungen, wo man mit unseren Möglichkeiten doch viel und Dankbares erreichen kann und auch etwas stolz ist, wenn man aus einem zermalmten Fleischklotz wieder einen Fuss zusammenflicken konnte, mit dem der Patient wenigstens gehen kann. Unsere Krankenschwestern und Krankenpfleger leiden auch unter dieser Personalknappheit und klagen über Überarbeitung, zu viel Dienst und zu wenig Lohn. Trotz-1 dem ist jedoch der Teamgeist im Spital erstaunlich gut. Wir arbeiten gut zusammen und immer ist mal wieder eine Gelegenheit für einen Schwatz oder für einen Witz. Wir alle hoffen, dass dies nur eine vorübergehende schlechte Zeit ist. Die Aussichten für eine Verbesserung sind jedoch nicht vielversprechend.

Der Neubau des Ambulatoriums macht gute Fortschritte. Im Moment ist Father Odermatt, der Missionspriester, am Ausnivellieren der Abflussrohre. Elektriker und Sanitär sind am Werk. Wir hoffen, dass wir ungefähr im Juli einziehen können. Dann kommt noch der Umbau des Altbaus, wo dann neue Behandlungsräume und eine kleine Aidsklinik eingebaut werden.

Es wäre schön, wenn man den Alltagsstress mit guten Freizeitaktivitäten kompensieren könnte. Im Moment sind jedoch auch hier wieder Grenzen gesetzt. Diesel ist Mangelware und praktisch nur auf dem Schwarzmarkt erhältlich. Das geht meist so vor sich, dass man über Umwege erfährt, dass jemand wieder ein oder zwei Kanister Diesel im Schlafzimmer versteckt hält und für einen guten Preis verkaufen möchte. Da muss man halt dann zugreifen. Stromausfälle sind an der Tagesordung. Beim letzten Schweizaufenthalt habe ich jedoch eine sehr gute Campinglampe mit kleinem Solarpanel mitgenommen, so ist meiner Leselust auch abends kaum Grenzen gesetzt. Trotz der jetzt vorhandenen Trockenperiode infolge ausgebliebener Regenzeit war bis jetzt meist genügend Wasser vorhanden für die abendliche Dusche. Aber auch hier fragt sich, wie lange noch.

PS: Wenn Sie etwas zugunsten des Spitals Musiso, wo Dr. Seelhofer als Arzt im Einsatz steht, spenden wollen, können Sie den Betrag auf das Konto 60-1433-9 Solidar-med Luzem einzahlen. Vermerk: Musiso-Hospital.

© Dr. Chr. Seelhofer, April 2005