Dr. M. Bösch & Dr. M. Thalmann
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überarbeitet am 25.1.2007

Der frühere Beringer Dorfarzt Dr. Christian Seelhofer berichtet von seiner Arbeit und aus seinem Alltag in Zimbabwe

Trotz Armut herrscht Fröhlichkeit

Silveira, mein jetziger Arbeitsplatz, ist - wie mein Vorheriger - ein Missionsspital, gegründet von ehemaligen Immenseer -Missionaren. Der Name kommt jedoch von portugiesischen Missionaren, die vor langer, langer Zeit hier eine Mission gegründet haben. Die Station ist eingebettet in viele Hügel, die mich manchmal fast ein wenig ans Appenzellerland erinnern. Aber natürlich fehlt das Grün, besteht der Boden mehrheitlich aus Fels und Sand, ist die Vegetation karg, und der Buschwald besteht vorwiegend aus domigen Akazien und aus mir unbekannten buschigen Bäumen.

Auch hier leben die Leute aus dem wenigen, was der Boden um ihre Hütten hergibt. Etwas Mais, Gemüse, einige Hühner, vielleicht einige Geissen oder eine bis zwei Kühe. Auch hier die gleichen Probleme. Keine Arbeitsplätze. Die Leute haben kein Geld, ihre karge Mais-Nahrung mit etwas Vitaminreicherem aufzubessern und ihre Kinder für längere Zeit in die Schule zu schicken. Leider sieht man kaum noch Leute in traditionsreichen, schönen Gewändern. Secondhand ist das billigste, zerschlissene Adidas-T-shirts, Nike-Mützen, eine alte zerrissene Hose, die wahrscheinlich einmal einem Bräutigam in Europa gut angestanden hat. Die meisten Leute ohne Schuhe oder mit billigen Plastikschlarpen. Man sieht Familien mit eigentlich immer sauberen, teils geflickten Kleidern, bei ändern hat man das Gefühl, sie hätten jede Nacht in einem Dreckloch geschlafen.

Auch hier ist trotz der Armut eine fröhliche Grundstimmung vorhanden. Man sieht kaum Kinder, die traurig sind. Auch die Erwachsenen haben immer ein freundliches Wort und ein Lachen - obwohl die Erfahrungen in der ambulanten Sprechstunde im Spital zeigt, dass in der Familie auch viel Gewalt und Unerfreuliches passiert. Die Leute haben immer Zeit für einen Schwatz, wobei sich jedoch das Thema meistens um Wetter, Preissteigerungen und .Nahrungsmittelknappheit handelt. Die Politik ist kein Thema, eher noch mit uns Aerzten, aber kaum untereinander. Man traut dem Nachbarn nicht so recht, ob er auch das glaubt, was er sagt. Die Leute, die Politik in der Hauptstadt Harare, das sind andere Leute und von hier fast so weit weg wie Europa. Mangels Information von aussen (Radio, Femsehen und Zeitungen fehlen) wissen die meisten nicht einmal, wo genau die Hauptstadt von Zimbabwe liegt, von der Schweiz haben sie noch nie gehört (liegt das vielleicht in Amerika?) . Aber es muss ein sehr reiches Land sein, da sie immer Aerzte ins Land senden, die gute Schuhe, Kleider und Brillen tragen und manchmal auch Medikamente ins Spital schicken.

Die wirtschaftlichen Probleme sind immer noch die gleichen. Die Preise drehen sich fröhlich weiter. Die Inflation beträgt in diesem Jahr bis jetzt etwa 1200 Prozent. Das heisst, dass ein Artikel, der anfangs Jahr noch einen Zim-Dollar gekostet hat, jetzt schon etwa 120 Zim-Dollar kostet. Um den 20. jeden Monats lohnt es sich nie, in die Stadt zu fahren. Um diese Zeit werden die Löhne an Staatsangestellte (Lehrer, Beamte, Spitalangestellte) ausbezahlt. Die Leute stehen dann vor fast jedem Artikel bis weit auf die Strasse Schlange, da dieser schon am nächsten Tag vielleicht das Doppelte kostet. Regale mit Brot, Mehl und anderen wichtigen Lebensmitteln sind die meiste Zeit des Monats leer und sind nach dem Auffüllen schon nach wenigen Stunden ausverkauft. Vor 2 Monaten hat die Regierung beim Geld drei Nullen gestrichen, da man vorher nur noch mit grossen Rucksäcken voll Geld einkaufen gehen konnte. Es war dann besser, aber schon heute braucht es wieder ein Bauchtasche voll Geld für einen etwas ausgiebigeren Einkauf.

© Dr. Chr. Seelhofer, 4. Nov. 2006