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überarbeitet am 13.11.2008

Der frühere Beringer Dorfarzt Dr. Christian Seelhofer berichtet von seiner Arbeit und aus seinem Alltag in Zimbabwe

Inflation und Hunger

Für uns in der Schweiz bedeutet Inflation höchstens, dass alles etwas teurer wird. Ich weiss, auch diese Teuerung in der Schweiz ist nicht für alle Leute so leicht verkraftbar, aber es ist doch kein Vergleich zu dem, was dies für die Leute hier bedeutet.

Krankenschwestern und Lehrer haben hier etwa den gleichen Lohn. Am 21. des Monats ist Zahltag. Sie können nun am Vortag zur Bank gehen, auf dem Trottoir schlafen und kommen dann am nächsten Morgen noch zum Schalter. Wenn sie erst am Morgen anstehen, ist es nicht sicher, ob sie es am gleichen Tag in der Warteschlange noch bis an den Schalter schaffen. Nun können sie mit dem gesamten Monatslohn ungefähr einen 50-kg - Sack Mais kaufen. Der Wert des Geldes verfällt jedoch sehr schnell. Lassen sie das Geld auf der Bank und holen es erst nach einem Monat ab, können sie mit dem Monatslohn nicht einmal mehr eine Banane kaufen.

So wird mit allen möglichen Mitteln versucht, mehr Geld zu beschaffen, am liebsten natürlich südafrikanische Rands oder amerikanische Dollars. Die Einfallslosen versuchen es mit Betteln. Viele Zimbabwer sind aber auch clevere Händler. Es wird irgendwo im Ausland etwas organisiert und versucht, in Zimbabwe zu verkaufen. Auf dem Schwarzmarkt werden WC-Besen, Zahnbürsten, Autoreifen, Haarspangen, Plastikschuhe, Hüte etc. angeboten. Für etwas reichere Leute werden Handys, Solarpanels und kleine Radios angeboten. Einige Kilometer von Silveira weg wird von Hunderten von Leuten nach Diamanten gesucht und gegraben. Einige von unseren Krankenschwestern gehen an all ihren Freitagen dorthin und versuchen ihr Glück. Am Ende haben sie vielleicht einige mickrige Diamanten gefunden und erhalten etwas Geld dafür. Diese Tätigkeit ist jedoch auch gefährlich. Diamantengraben ist Regierungssache und deshalb illegal. Laufend werden Polizeirazzien durchgeführt und dies nicht gerade zimperlich. Wir haben wöchentlich Leute von diesen Minen mit Schussverletzungen durch Polizei oder Gangster, manchmal auch schwere Verletzungen durch Polizeihunde.

Trotz all diesen zusätzlichen Geldquellen langt es für die viele Leute nicht für regelmässige, tägliche Mahlzeiten. Im Spital häufen sich die Aufnahmen wegen Schwäche und Unterernährung. Die häufig schon durch AIDS-Erkrankungen geschwächten Leute sind davon besonders schwer betroffen. Viele schaffen das Spital nicht mehr und sterben schon zuhause. Besonders hart anzuschauen ist dies auf der Kinderabteilung. Viele dieser Kinder mit Beinen wie Stecken und Bäuchen wie Ballone haben keine Chance mehr. Einigen können wir jedoch helfen mit der Behandlung von Infektionen, Behandlung von Parasiten, Gabe von Vitaminen. Eine grosse Sorge dabei ist die Beschaffung von Milchpulver, das dringend notwendig ist, um die Eiweissbilanz der Ernährung zu verbessern. Erst durch diese Massnahme können wir auch die häufigen Wasseransammlungen im Körper therapieren. Da in Zimbabwe weder Milch noch Milchpulver gekauft werden kann, müssen wir auch dies von Südafrika organisieren, was auch wieder sehr aufwendig und teuer ist. All dies braucht Geld und dies ist auch langsam Mangelware.

© Dr. Chr. Seelhofer, 4. Nov. 2008