Dr. M. Bösch & Dr. M. Thalmann
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überarbeitet am 30.4.2005

Der frühere Beringer Dorfarzt Dr. Christian Seelhofer berichtet von seiner Arbeit und aus seinem Alltag in Zimbabwe

Wochenende

Mein Kollege hat Dienst. Ich habe ein freies Wochenende. Was soll ich unternehmen? Die Möglichkeiten sind beschränkt. Ein Ausflug liegt nicht drin. Es gibt wieder kein Benzin. Beim letzten Besuch in der Stadt sah man wieder das frühere Bild von Schlangen von Autos um zwei Häuserblocks vor einer Tankstelle. Aber weit und breit kein Benzin. Die Leute hatten einzig gehört, dass wahrscheinlich in zwei Tagen diese Tankstelle mit Benzin beliefert werde. Infolge Treibstoffmangels fahren die öffentlichen Busse viel seltener. Wartezeiten bis fünf Stunden an einer Haltestelle sind normal und dann wird man wie Sardinen in den Bus gepfercht, sodass man kaum mehr atmen kann. In die Bierhalle des nahen Dorfes kann ich auch nicht gehen. Entweder wird man dort mit endlosen Krankengeschichten überschüttet oder von meist stockbetrunkenen Stammgästen dauernd um Geld angegangen.

Also werde ich mich zuhause beschäftigen. Maijenica, meine Haushaltshilfe, hat frei. So müssen zwei bis drei Stunden investiert werden für das Wässern des Gartens. Jetzt im Winter wächst Salat und Gemüse besser als im Sommer, wo die Temperaturen meistens zu hoch sind. Da wir sehr sandigen Boden haben und es seit Monaten nicht mehr geregnet hat, ist tägliches Wässern notwendig. Dann muss auch noch die Wäsche gemacht werden. Das Trocknen übernimmt die täglich scheinende Sonne. Glätten wird dann Maijenica nächste Woche. Übrigens muss hier die gesamte Wäsche gebügelt werden - nicht um wie frisch gebügelt auszusehen, sondern um die Eier der Tumbufliege abzutöten, die in die zu trocknende Wäsche gelegt werden. Aus diesen Eiern schlüpfen bei Hautkontakt kleine Larven, die sich in die Haut bohren und viele Abszesse bilden.

Schon lange wollte ich die Hecktüre meines 270 000 km alten Toyotas Voyager flicken. Das Türschloss hält den staubigen Strassen nicht stand. Ich habe dann nur die Wahl, die Türe dauernd offen zu halten, was in der Stadt etwas unsicher ist, oder sie ist dauernd geschlossen und die Sachen müssen von vorne eingeladen werden. Nach Ausbauen des Mechanismus, gründlicher Reinigung und etwas Öl funktioniert es wieder, hoffentlich für längere Zeit. Es bleibt noch genügend Zeit, um etwas Zement anzumachen. Ich will einige Löcher in der Mauer des Hühnerhauses zumauern. In diesen Löchern finden immer wieder Schlangen Zuflucht und das kostete schon einigen Hühnern das Leben.

Es bleibt nun noch etwas Zeit, um an der Sonne zu liegen und mich von der Musik aus meiner CD-Sammlung berieseln zu lassen. Nun wird aber aus der Sonne schon eine grosse, rote, fast kitschig schöne Scheibe, der Himmel wird violett und dann schnell dunkel. Auch ist es kühler geworden und ich verziehe mich ins Haus.

© Dr. Chr. Seelhofer, Juni 2005