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überarbeitet am 20.8.2004

Der frühere Beringer Dorfarzt Dr. Christian Seelhofer berichtet von seiner Arbeit und aus seinem Alltag in Zimbabwe

Alltag in Zaka

Die Einwohner unseres armen Zaka-Bezirks leben ihren Alltag und haben nur wenig daneben. Die Tageszeiten sind geprägt durch die Natur. Morgens um fünf ist Tagwache. Es wird gekocht, Wasser geholt und gegessen. Schon um halb sieben müssen die meisten Schüler sich auf den Weg machen in die Schule. Die Erwachsenen gehen ihren verschiedenen Tätigkeiten nach. Der Garten muss gemacht werden. Auch in den kleinen Feldern muss das Unkraut wieder entfernt werden. Alles Arbeiten, die meist für die Frauen anstehen. Der Ehemann geht vielleicht mit dem Eselskarren ins nahe Dorf etwas Dünger holen. Vielleicht hat er auch noch etwas Zeit und Geld, um in der Beerhall ein Bier zu trinken und das Neueste zu erfahren. Dann geht es schon wieder früh nach Hause. Abends um sechs Uhr ist es ja schon stockdunkel. Es gibt keine Elektrizität für Licht oder andere Geräte. Für Kerzen oder Petrol haben die meisten Bewohner kein Geld. Wenn man nichts mehr sieht, geht man halt zu Bett, wobei man sich klar sein muss, dass nur sehr wenige Leute ein Bett besitzen. Normalerweise schiebt man in der Haupthütte die Tagesutensilien etwas beiseite, breitet eine Decke oder eine dünne Strohmatte auf den gestampften Boden und legt sich darauf. Die Tageskleider werden anbehalten und während den kälteren Zeiten nimmt man noch eine Wolldecke, um sich zuzudecken, oder man liegt etwas näher zusammen. Als Kopfkissen hat man ein kleines Fell oder sonst ein Kleidungsstück. In einer Ecke der Hütte brennt vielleicht ein kleines Feuer. Jetzt im Winter, wo sich das Leben mehr in den Hütten abspielt, riecht sogar die Spitalabteilung nach Rauch, weil alle Patienten und ihre Kleider riechen, als wären sie gerade aus der Räucherkammer entstiegen.

Aufgelockert wird der Alltag am Sonntag durch den Gang in die Kirche. Für viele Familien ist das ein sehr wichtiger Teil der Woche. Erwachsene und Kinder werden aufs Schönste herausgeputzt. In Zimbabwe gibt es nicht eine einheitliche Kirche, sondern allein in unserer Umgebung gibt es Dutzende von Freikirchen. Man trifft sich in primitiven Kirchen oder unter einem Baum für die Messe oder den Gottesdienst. Nachher hat man dann noch genügend Zeit, die neuesten Nachrichten untereinander auszutauschen, miteinander zu essen und zu singen. Unter der Woche haben die Frauen vielleicht mal Gelegenheit für einen Schwatz mit den Nachbarinnen bei der Arbeit auf dem Feld. Die Männer treffen sich mal am Nachmittag unter einem Baum zu einem allgemeinen Schwatz, der dann gut und gerne auch einige Stunden dauern kann. Die Leute hier reden meist gerne und bei der Erzählung einer Begebenheit wird weit ausgeholt. Würde ein Grossvater hier seinem Enkel in Sho-na das Märchen vom Rotkäppchen erzählen, wäre das sicher eine Angelegenheit von mindestens Stunden und wenn er es gut erzählt, würde auch niemand dabei ungeduldig.

Gesellschaftliche Ereignisse sind sonst kaum vorhanden. Es gibt keine «Kultur» in unserer armen Gegend. Musikgruppen gibt es nur in der Stadt, aber auch dort wenige. Musik gibt es nur in Form von Trommeln und Gesang am Sonntag in der Kirche. In den wenigen Dörfern dringt zwar nationale, aber moderne Musik aus grossen Lautsprechern aus den Bierhallen und den Einkaufsbaracken. Dorffeste oder Vereine wie bei uns kennt man nicht. Die Kenntnisse von früheren traditionellen Stammesfeiern sind weitgehend verloren gegangen. Tänze für Regen oder eine gute Ernte werden nur noch für Touristen aufgeführt und solche hat es ja im Moment im Land praktisch keine mehr. Ereignisse sind heute immer auch Hochzeiten und Beerdigungen, die meist drei bis fünf Tage dauern und wo die ganze Verwandschaft immer hingehen muss. Das Spiel hat bei den Erwachsenen keine Tradition. Die Kinder vergnügen sich oft mit Fussball, wobei der Ball meist aus einem mit Schnur zusammengebundenen Stoffbündel besteht.

Manchmal wäre es auch für uns schön, wenn der Alltag etwas mehr aufgelockert werden könnte. Infolge des ganz anderen Lebensrythmus fehlt auch etwas der intensivere Kontakt mit den Einheimischen ausserhalb der Arbeit. An ein Leben ohne Radio, Femsehen, Kino, Unterhaltungen, Theater, Sport mussten wir uns erst gewöhnen. Abends gemessen wir jedoch regelmässig Musik aus unserer grossen mitgebrachten CD-Sammlung.

© Dr. Chr. Seelhofer, Aug. 2004