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überarbeitet am 15.8.2007

Der frühere Beringer Dorfarzt Dr. Christian Seelhofer berichtet von seiner Arbeit und aus seinem Alltag in Zimbabwe

Schwieriges, aber interessantes Leben

In Zimbabwe herrscht eine galoppierende Inflation. Die Geldentwertung beträgt in diesem Jahr schon unglaubliche 1200 Prozent. Die Leute reagieren langsam mit Murren. Deshalb hat die Regierung einen Preisstopp veranlasst. Grundnahrungsmittel und alltägliche Dinge dürfen nur mehr zu einem Preis verkauft werden, der dem Preisniveau von anfangs Juni dieses Jahres entspricht. Das bedeutet für Einiges, dass sie den Einkaufswert nicht mehr decken. Die Ladenbesitzer nehmen deshalb die meisten Artikel aus dem Sortiment oder können sie gar nicht mehr kostendeckend kaufen. Die Gestelle sind gähnend leer.

Meine Frau kam kürzlich wieder nach Zimbabwe. Beim ersten Einkauf in einem Shoppingcenter wollte sie einen grossen Einkaufswagen vor dem Laden nehmen. Sie glaubte zuerst nicht, dass ein kleiner Einkaufskorb genügt. Aber die Einkaufsstrategie ist hier jetzt anders. Man geht nicht mit einer Einkaufliste in den Läden, Man" geht einfach hinein und schaut, was noch vorhanden ist und was man davon noch brauchen könnte. Auf jeden Fall kamen wir beide mit einem kläglich gefüllten Körbchen wieder aus dem Laden.

So ist man auf Improvisationen angewiesen. Fleisch kann man vergessen. Dies gibt es schon seit Wochen nicht mehr. Aber vegetarisch ist ja auch gesund. Milch können wir zwei Mal in der Woche direkt über einen Kleinbauern in Silveira beziehen. Dieser versucht mit dem Milcherlös seiner drei mageren Kühe verzweifelt, irgendwo Mais für seine Familie aufzutreiben. Eier gibt es nicht in der Umgebung. Bei unseren Fahrten ungefähr alle zwei Wochen in die nächste, ca. 110 km entfernte Stadt Masvingo fahren wir an einem Bauernhof vorbei, der eine grössere Hühnerschar pflegt. Meistens können wir dort dann einige Eier erstehen. Zucker erhielten wir von Bekannten, die in einem vergessenen Laden noch etwas davon entdecken konnten. Oel konnten wir auf dem Schwarzmarkt kaufen von einer Frau, die dies von Südafrika über die Grenze gebracht hat. Es gibt jedoch auch Gutes. Im Moment ist Orangen- und Mandarinenzeit. Dies und auch Tomaten kann man lokal kaufen (auch nur diejenigen, die Geld haben), so viel man essen kann. Auch entwickle ich langsam eine Vorliebe für Avocados. Im eigenen Garten gedeihen Salat und auch etwas Gemüse..

Mit dem Treibstoff ist es immer noch das gleiche Problem. Der öffentliche Verkehr ist massiv zusammengeschrumpft, da kaum mehr Diesel aufzutreiben ist. Benzin ist praktisch nur noch mit im Ausland gekauften Coupons erhältlich. Bei meinem letzten Aufenthalt in Harare gab es jedoch auch nur noch maximal 50 Liter pro Fahrzeug an insgesamt nur vier Tankstellen in dieser Millionenstadt. Ich stellte mich deshalb am Freitag und am Samstag erneut in diese Warteschlange und bekam dann nach ungefähr zwei Stunden Wartezeit meine jeweils 50 Liter zugestanden. In dieser Zeit kaufte ich ein gekochtes Ei als Zwischenmahlzeit, das mit etwas Salz von einer Strassenverkäuferin angeboten wurde. Eine ganze Reihe von Arbeitslosen patrouillieren regelmässig entlang der Autowarteschlange und versuchen, Coca Cola, Benzintrichter, Sonnenbrillen, Hosengürtel, Scheibenwischer, Handyetuis, Kugelschreiber, Popcorn etc. an den Mann oder die Frau zu bringen. Während dieser Wartezeit aber habe ich auch einen halben Kriminalroman von Henning Mankell gelesen. So ist alles für etwas gut.

© Dr. Chr. Seelhofer, 14. Aug. 2007