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überarbeitet am 20.6.2006

Der frühere Beringer Dorfarzt Dr. Christian Seelhofer berichtet von seiner Arbeit und aus seinem Alltag in Zimbabwe

Mission ade?

Einige hundert Meter vom Musiso-Spital entfernt befindet sich die Missionsstation St. Anthony's. Dazu gehört eigentlich auch das Musiso-Spital, obwohl nur noch wenig Querverbindungen dazwischen bestehen. Nun verlässt Ende Juni der letzte Schweizer Missionar St. Anthony's, Pater Joseph Odermatt. Er zieht sich auf eine ruhigere Zwischenstation zurück, was ihm mit seinen bald siebzig Jahren auch zu gönnen ist.

St.Anthony's war seit mehr als 40 Jahren eine blühende Missionsstation der Schweizer Bethlehem-Mission Immensee. Es waren bis zu fünf Schweizer Priester dort beschäftigt und dazu noch etwa drei Missionsbrüder. Es wurden etwa 40 Kirchgemeinden im Umkreis von mehr als 50 km betreut. Die Brüder leiteten eine florierende Landwirtschaft mit Kühen, Schweinen, Hühnern, einer Getreidemühle und einem grossen Obst-und Gemüsegarten. Die Station war auch verantwortlich für den Bau des Musiso-Spitals und den Bau und Betrieb einer grossen Schule. Diese Schule hat auch heute noch ungefähr 900 Primar-schüler in einer Tagesschule und ungefähr 600 Sekundarschüler in einem In-ternatsbetrieb. Schule und Spital haben sich jedoch in den letzten Jahren weitgehend verselbständigt. Nun verlässt also der letzte Immenseer diese Gegend. Die einst grosse Immenseer-Präsenz in Zimbabwe mit über 200 Priestern und Brüdern schrumpft. Nur noch ungefähr 40 sind im Land und davon die Hälfte im Ruhestand im zentralen Regionalhaus. Das Durchschnittsalter der Verbliebenen ist längst weit über 70 Jahre gestiegen.

Wie geht es nun weiter? Für uns in Musiso geht eine wichtige Informationsquelle verloren. Mit 40 Jahren Zimbabweerfahrung waren Sepp und andere Schweizer Priester immer wichtige Anker, die wussten wie, wer, was und wo. Oft war man auch froh um einen Schwatz am Abend. Für die St.-Anthony's-Missionsstation ist der Rückzug der Immenseer ein herber Rückschlag. In den letzten Jahren war der ganze Betrieb nur überlebensfähig mit einigen Zuschüssen aus Schweizer Kirchgemeinden. Wie es weitergehen wird, sieht man am Beispiel von aufgegebenen anderen Stationen. Natürlich werden drei bis vier lokale Priester den Betrieb weiterführen. Sie müssen aber allein leben von den Opfergaben der betreuten Kirchgemeinden. Das genügt meistens nur gerade für Leben und Essen. Schon der Kauf von Benzin für die Autos zur Betreuung der weit auseinander liegenden Gebiete wird zum Problem. Für den Unterhalt der Gebäude bleibt nichts mehr übrig. Schon nach kurzer Zeit sieht man kaputte Fenster, die nur mit Karton oder gar nicht geflickt werden. In Nebengebäuden fällt das Dach zusammen und das Ganze bekommt einen zerfallenen Eindruck.

Was bleibt? Ich bin froh, dass die eigentliche Missionierung, das Überbringen der christlichen Botschaft in andere Kulturen, langsam einem anderen Denken Platz macht. Sicher haben die Missionen in früheren Jahren vor allem auch hier in Zimbabwe viel beigetragen zur sozialen Gerechtigkeit. Unzählige Schulen und Spitäler wurden von ihnen gegründet in einer Zeit, wo dies nicht selbstverständlich war, und in Gegenden, wo niemand sonst zu den Menschen schaute. Aber dass dies immer verbunden war mit einer «Christianisierung» der Bevölkerung, in der Überzeugung, die einzig richtige Religion zu sein und möglichst viele Schäfchen zu bekehren, das befremdet doch sehr. Ich habe die Hoffnung, dass diese Phase abgelöst wird von einer Erkenntnis, dass unsere Hilfe in Entwicklungsländern nach wie vor nötig ist, ohne dass wir jedoch eine moralische oder eine materielle Gegenleistung davon erwarten. In welcher Form diese Hilfe diesen Ländern zukommen soll, ist im Moment Diskussionsstoff in vielen westlichen Hilfsorganisationen.

© Dr. Chr. Seelhofer, 9. Juni 2006