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überarbeitet am 27.1.2005

Auszeichnung verliehen

Christian Seelhofer Ambassador 2004

(gb) Die Verleihung der Auszeichnung des Ambassador 2004 an Christian Seelho-fer vom vergangenen Dienstagabend im Park-Casino war eine eindrückliche Feier, an der die Schweiz und Afrika zusammen kamen. Die Verschiedenheit zeigte sich vor allem bei der Musik und Mentalität der beiden Kontinente. Je länger Christian Seelhofer in Zimbabwe bleibt, umso mehr wird er afrikanisiert und sein Dasein als Botschafter wandelt sich. Er bringt weniger unsere Botschaft Richtung Süden, sondern er wird immer mehr Botschafter des Südens in der Schweiz, erklärte Urs AIlenspach anlässlich seiner vortrefflichen Laudatio. Denkt man an Christian Seelhofers Berichte, die im Schleitheimer Boten veröffentlicht werden, trifft dies zu.

Begrüsst wurden die Anwesenden von Dr. Cristiano Persi, Präsident des Ambassador Clubs Schaffhausen (RAC), der 1990 gegründet wurde. Jährlich, jetzt bereits zum 11. Mal, wird eine Persönlichkeit aus der Region, die nicht Mitglied des RAC Schaffhausen ist, der Ambassador als Auszeichnung für eine Leistung verliehen, die als vorbildlich für die Mitmenschlichkeit und für die Verständigung unter Menschen über die Grenzen des eigenen Lebensraumes hinweg gelten darf. Ausgezeichnet werden Menschen, deren vorbildliche Leistung, unter Umständen aber von der breiteren Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wird. Der Ambassador ist kein Preis mit materiellem Wert, sondern eine Anerkennung und Bekanntgabe.

Botschafter des Südens
Martin Edlin, Mitglied des RAC Schaffhausen, würdigte den idealistischen Einsatz von Dr. med. Christian Seelhofer als Leiter des Spitals von Musiso in Zimbabwe und erwähnte seine regelmässig im Schleitheimer Boten/Anzeiger vom Oberklettgau erscheinenden Berichte aus Zimbabwe. Sie seien wie Tagebuchnotizen und zeigten ein ganz anderes Menschenleben mit Wert- und Moralvorstellungen, die uns fremd sind. Nicht wirtschaftliche Produktivität, sondern Beziehungen und gute Freunde (manchmal aber auch weniger gute) haben einen viel höheren Stellenwert. Die Menschen dort denken im Jetzt und nicht in die Zukunft. Sie geben ihr Geld sofort aus (sinnvoll bei der galoppierenden Inflation). Über Lebenswerte und Einstellungen zu reflektieren ist sicher auch eine der Botschaften aus dem Süden, die uns Christian Seelhofer vermittelt.

Laudatio von Urs AIlenspach
In seiner Laudatio gab Urs AIlenspach als Vorstandsmitglied und Projektbetreuer von Zimbabwe einen Abriss über die Organisation von SolidarMed, die mit lokalen Partnern diverse Projekte in Tanzania, Mo^ambique, Lesotho und .eben in Zimbabwe unterstütze. Die finanzielle Unterstützung erhalte SolidarMed ihrerseits von treuen Spendern, von Freunden unserer Mitarbeiter, von karitativen Vereinen und den Landeskirchen. «Ich freue mich sehr, dass meinem Freund Christian Seelhofer heute die Auszeichnung Ambassador 2004 verliehen wird», konstatierte AIlenspach. Christian hat 2002 seine gut gehende Allgemeinpraxis in Beringen übergeben und hat eine neue Arbeit am Musiso-Spital im ländlichen Zimbabwe aufgenommen. Zusammen mit einem anderen Schweizer Arzt betreut er etwa 150 000 Menschen, ist mitbeteiligt an den Programmen zur Gesundheitsvorsorge, massgeblich verantwortlich für die kura-tive Medizin am Spital, ist indirekt Schulleiter der Schwesternschule und Vorsitzender der SolidarMed-Mitarbeiter in Zimbabwe. «Jeder und jede macht sich seine persönliche Vorstellung eines Ambassadors. Versuchen wir wenigstens herauszufinden, welche Botschaft er überbringt. Auch dies ist nicht einfach, doch klar ist, dass Christian zu Beginn sich selbst, seinen Einsatz und die Botschaft seiner ihn unterstützenden Freunde überbringt, die heisst: Ich will etwas ändern am Ungleichgewicht zwischen Arm und Reich, zwischen Nord und Süd. In Zimbabwe erkannten die Menschen an seinem Spital diese Botschaft recht rasch, denn sie kennen sie auch schon von den zahlreichen anderen Schweizer Ärzten vor Christian. Etwas ist aber speziell: Christian ist älter als die anderen Ärzte und bleibt länger. Deshalb gilt er dort als weise und seine Konstanz gibt zusätzliches Vertrauen.»

Je unerwarteter eine Katastrophe eintritt, desto grösser ist die Aufmerksamkeit
Bei den in der Schweiz Zurückgebliebenen verblasst diese Botschaft aber recht schnell. Man gewöhne sich daran: Das ist Christian und er arbeitet in Zimbabwe, aber was genau er da tut, habe ich vergessen. Gerade deshalb ist eine Feier wie diese heute wichtig, betonte Allen-spach. Sie hilft, dass wir nicht vergessen. Wir gewöhnen uns ja recht schnell an das ganze Leid und sind froh, dass wir jemanden haben, der «in unserem Auftrag» etwas dagegen tut. Vergessen wir aber nicht: Die Aufmerksamkeit der Schweiz bei einer Katastrophe ist am höchsten, je unerwarteter sie eintritt. Die Aufmerksamkeit ist umso höher, je mehr mediale Berichterstattung und Emotio-naiisierung geschieht, betonte Allens-pach. Hier kann Christian Seelhofer nicht mithalten: Die Katastrophe in seiner Umgebung ist eine andauernde. Hier wird es für anhaltende Probleme wie im ländlichen Zimbabwe mit einer hohen Durchseuchung durch HIV/AIDS schwierig, denn niemand mehr will davon etwas hören.
Abschliessend dankte der Vertreter von SolidarMed Christian und Annemarie Seelhofer für die langjährige Zusammenarbeit und das Engagement und gratulierte herzlich zur Auszeichnung.

Zwei Welten - zwei Musikverständnisse
Was wäre ein festlicher Anlass ohne Musik. Vortrefflich spielte Konzertpianistin Dr. Antje Traub die Klaviersonate von Joseph Haydn in e-Moll als musikalische Einstimmung. Als Intermezzi, ebenfalls von Haydn, folgten das Adagio aus der Sonate in e-Moll sowie Vivace molto, innocentemente und als musikalischer Ausklang des Abends die Arabeske, op.18 von Robert Schumann. Rhythmus, Gesang und Bewegung, eine ganz andere Art von Musik (the nature of musical intelligence) brachte Dr. Joseph Matare mit. Mit viel Freude und Vertrauen in die etwas steifen «Schweizer» und gründlicher Kenntnis der afrikanischen Musik brachte er dem Publikum und der anwesenden Prominenz eine Musikkultur näher, die den ganzen Menschen einfordert. Beide Musikstile sind zurzeit noch nicht miteinander zu spielen. Aber jede für sich ist eine Bereicherung, eine Botschaft von zweien, die sich auch näher kommen können.

© Schleitheimer Bote 24.2.2005